Historischer Verein
Stadt Neunkirchen e.V.

Historischer Verein Stadt Neunkirchen e.V.

Das Barockschloß Jägersberg
in Neunkirchen und die Hütte
von Heinz Gillenberg
 
hvsn_01.jpg
Letztes Blatt des Vertrages von 1748

Neue, obere Schmelz in Neunkirchen, erbaut 1749-1750, stillgelegt 1876. Nach einem Stich aus um 1850

Oberschmelz um 1880, da war sie schon Ziegelei

Aus „Neunkirchen Damals“, Hrsg. KKV Unitas, Juni 1979. DAS JÄGERMEISTERHAUS von der Gartenseite aus gesehen. Im Zusammenhang mit dem Bau des Barockschlosses, von Friedrich Joachim Stengel ab 1752 erbaut, entstand dieses Haus. Es diente in den Jagdzeiten dem fürstl. Oberforstmeister Georg Wilhelm von Maltitz als Dienstsitz und Wohnung. Es wurde 1945 durch Bomben zerstört.

Aus „Neunkirchen damals“, Hrsg. KKV Unitas 1979. Das Portal an der Vorderseite des Jägermeisterhauses. So wie dieses Portal mit seiner wundervollen Kartusche in der Mitte des Türbogens, so ähnlich, wahrscheinlich noch reicher und vielfältiger, dürfen wir uns die Außenfassade des Barockschlosses vorstellen.
Fürst Wilhelm Heinrich (1741-1768) war ein überzeugter Vertreter des Merkantilismus und unterstützte deswegen die Entwicklung der ansässigen Gewerbe durch Förderung der Fertigwarenausfuhr und den Schutz der eigenen Rohstoffe durch Zölle.

Besonders wichtig waren seine Bemühungen um die bessere Nutzung der Steinkohlevorkommen. Sie endeten nicht mit den Maßnahmen die zur Verstaatlichung der Gruben führten. Gleichzeitig begann er mit einer Campagne für die Verwendung der Kohle als Hausbrand. In einer Anweisung „welcher Gestalt die Steinkohlen zur Erwärmung der Stuben und Behältnisse füglich und nützlich verwendet werden können“ wurde den Untertanen die Verbrennung der Steinkohle genau beschrieben. Sie beginnt beginnt:“ In einem eisernen Ofen ,wozu die runden am tauglichsten in Ansehung des Rauches sind, lasse man einen Rost einsetzen. Auf diesen Rost legt man die Kohlen, nach Proportion des Ofens und der zu erlangenden Hitze, ordentlich übereinander, zünde die Kohlen mit klein geschnittenem Holz unter dem Rost an , und...“ so weiter bis zur Lagerung der Kohle und der Möglichkeit den Ofen auch die Nacht durchbrennen zu lassen. Diese Anweisung wurde im Juli 1765 den Geistlichen und Lehrern zur Weitergabe und näheren Erklärung bekannt gegeben.
Sehr lebhaft gestaltete sich der Kohlenexport in die Pfalz. So wurde Kohle der Grube Wellesweiler bis nach Worms ,Mannheim und Speyer geliefert.
Für Neunkirchen war Wilhelm Heinrich aus verschiedenen Gründen besonders wichtig. Schon 1744 wurde offensichtlich auf seine Veranlassung die Hütte um einen Stahlhammer erweitert. Ein regelmäßiges Verpachten der Neunkircher Hütte scheint aber seit dem Ausscheiden der Familie Koch nicht mehr möglich gewesen zu sein. Die einheimischen Hüttenfachleute hatten einfach nicht die Mittel für die Übernahme des Werkes. Die auf mehrere tausend Gulden angestiegene Jahrespacht wurde nämlich im Voraus fällig. Erst 1748 wurde mit dem Handelshaus von Stockum aus Frankfurt ein kapitalkräftiger Pächter gefunden. Von Haus aus Holz– und Tuchhändler hatten Thomas von Stockum und Söhne genügend Kapital die Hütte auszubauen und weiter zu entwickeln.

Die Hütte 1748
Der auf 12 Jahre geschlossene Vertrag, gerechnet vom 20. August 1748, Ist deswegen besonders interessant, weil ihm ein Inventar zugrunde liegt, das uns Auskunft über Umfang und Zustand der Hütte gibt. Bis zum letzten Modell oder Keil ist alles aufgeführt. Für uns genügt die Aufzählung der Werksanlagen:
- Ein Schmelzofen mit zwei alten Gebläsen
- Ein Großhammer mit zwei Frischfeuern und einem Rennfeuer
- Ein kleiner Eisenhammer mir Strechhammer und Zainhammer
- Der neue Stahlhammer
- Die große Kohlenscheuer
- Die Schlackenpoche
- Die Erzwäsche
- Das Formhaus
- Verschiedene Werkswohnungen

Aus der Inventarliste kann man auch einig über die damaligen Arbeitsabläufe ablesen. So war die „Schmältz“ gleichzeitig Gießerei, in der auch die großen Formen und Modelle aufgehoben wurden. Das Gießprogramm war besonders auf Öfen abgestellt, wovon 6 verschiedene Grundmodelle hergestellt wurden. Die Anzahl der Modelle lässt darauf schließen das viele Öfen hergestellt wurden. Für den Stahlhammer enthält der Pachtvertrag im Abschnitt 4 die Abmachung: „Soll ihnen Admodioribus (= den Pächtern) zu dem Stahlhammer, der da sie diesen nicht zu betreiben gesinnet, zu dem kleineisen ausschnitten, der ohnweit Neunkirchen aufgesucht vorhandene Steinkohlengrube sich zu bedienen“. Wenn auch im Allgemeinen 1748 Steinkohle für die Eisenerzeugung noch keine große Rolle spielte, nur als Schmiedekohle wurde sie schon länger verwendet, so wurde hier aus drücklich das Recht zur Steinkohleförderung mit gepachtet. Auf Grund dieses Rechts wurde 1750 im Weilerbach (beim heutigen Heinitz) eine Grube angelegt, die bis etwa 1780 betrieben wurde. Alle anderen Gruben in der Gegend hatte der Fürst um diese Zeit nach und nach verstaatlicht. Die bisher auf eigene Rechnung grabenden Bauern und Dorfgemeinschaften wurden entschädigt und eventuell als Bergleute übernommen. An die Bergleute wurden Hausbrandkohlen kostenlos abgegeben (Deputat), an die in der Nähe der Gruben ansässigen Bauern zum „Gräberlohn“ (später Berechtigungskohlen genannt). Außer der Neunkircher Hütte gab es im Saarland nur noch eine, die des Klosters Wadgassen bei Hostenbach. Der Vertrag mit von Stockum geht auch auf die Anliegen der Bevölkerung der um liegenden Dörfer ein. So wurde die Beschäftigung der „Untertanen“ durch die Hütte und die Erstattung eventueller Schäden beim Erzgraben vorgeschrieben.

Die „obere Schmältz“ und das neue Schloß.
Die neuen Pächter bemühten sich sehr bald nach der Übernahme der Hütte um die Genehmigung zu ihrer Erweiterung und Vergrößerung. Dabei sollte offensichtlich eine Trennung der Produktion von Gußeisen und Schmiedeeisen erreicht werden um besonders die Gußwarenerzeugung zu vergrößern. Endgültig genehmigt wurde ihnen der Bau einer neuen Schmelz mit einer neuen Schmelz mit Dekret vom 24. November 1749. Der Fürst war bei den Verhandlungen bestrebt für jedes Zugeständnis auch eine Bezahlung zu bekommen. Wurde schon bei der Überlassung des Hasselbachweihers bei Sinnerthal „zur Erbauung einer neuen Schmältz“ ein zusätzliches Pachtgeld von 100 Gulden jährlich verlangt so kostete die Genehmigung „Zehntausend Gulden rheinisch, in drei Jahren dergestalt zu bezahlen und an unseren Baudirektoren Stengel, der mir solches Geld zu einem sicher vorhabenden Bauwesen angewiesen, gegen jedes malige Quittung zu liefern und damit im nächst anstehenden Jahr auf Ostern zu beginnen.“
Offensichtlich versuchte Wilhelm Heinrich mit der Hütte möglich viel Geld für dieses „Bauwesen“zu verdienen. Sein Baumeister Stengel hatte schon mit der Vorplanung des neuen Schlosses begonnen. Es sollte etwas höher als das alte Schloß am Berg bei der Schloßstraße gebaut werden. In seinem Lebensbericht schreibt Stengel: „Noch im Jahr 1752 wurde Anstalt zur Erbauung des vorgedachten Neunkircher Schlosses gemacht und nach gnädigst bezeigter Zufriedenheit der von mir gefertigten Risse im künftigen 1753 ten Jahr der Grundstein hierzu gelegt und mit dem Bau angefangen und continuierten.“ Wann genau mit dem Bau der neuen, der oberen ,Schmelz begonnen wurde wissen wir nicht. Auch nicht ob der 1750 eingestellte Hüttenfaktor Jakobi den Bau leitete. Die Wasserkraft zum Betrieb der neuen Schmelz lieferte der Sinnerbach. Sicher ist das 1752 ein Hochofen, eine Gießerei eine Erzpoche und eine Kohlenscheuer errichtet waren. Für den Betrieb der neuen Anlagen mussten etwa 20 Familien aus Württemberg geworben werden. Dabei war die Erzgräberei wieder eine Nebenbeschäftigung der Bauern und ihrer Söhne geworden. Noch war das zum Betrieb der Hütte nötige Erz in unmittelbarer Nähe zu finden. Die Wälder bei Neunkirchen, Wiebelskirchen, Schiffweiler und Landsweiler hatten noch genügend Erznester. Meist wurde in einem unregelmäßigen Tagebau gefördert, wobei oft die Gebirgsschichten verwühlt wurden. Mit der Verstaatlich und der Steinkohleförderung wurde auch die Erzförderung „bergmännisch administriert“. Die fürstlichen Steiger und Berginspektoren kontrollierten nun auch die Erzgräber die nur noch im Auftrag eines Hüttenbeständers arbeiten konnten.
Auch das Brennen von Holzkohle wurde immer mehr durch freie Köhler im Auftrag der Hütten durchgeführt und die Köhler waren dann auch für die Anwerbung der nötigen Holzhauer zuständig.
So findet man in den Werkswohnungen bald nur noch direkt im Betrieb beschäftigte Arbeiter, für die eine Wohnung in Werksnähe wegen der oft nachts durchgehenden Arbeit auch wichtig war.

Neunkirchen1740 bis 1764.
Aus einer „Tabell der Meyerei Neunkirchen „ geht hervor das diese um 1741 aus den Dörfern Neunkirchen, Wellesweiler und Spiesen bestand. Dazu kamen drei Höfe, der Forbacher Hof, der Kohlhof und der Neunkircher Schweizerhof. Neunkirchen hatte 69 Untertanen (d.s. Haushaltungen) in 59 Häusern. Nur ein Untertan wurde als wohlhabend angesehen, 50 als arm. „Die Hauptnahrung bestehet in der Viehzucht und schlechtem Ackerbau“. Zur Hütte gehörten Werkswohnungen die schon 1748 von anderen Mietern bewohnt wurden. Zum Schloss gehörte außer dem Hauptgebäude nur ein Gärtnerhaus mit Scheuer und Stallungen sowie ein Waschhaus aber über 75 Morgen Wiesen und einige Äcker und Gärten. Die Einwohnerzahl wird nicht mehr als 600 Seelen betragen haben.
1764 werden in der Meyerei 1250 Einwohner gezählt. Aus dem Personenstandsverzeichnis kann man sehen wie das neue Schloß und die größer gewordene Hütte eine Änderung der Einwohnerzahl und der Bevölkerungsstruktur verursachten.
1 luth. Geistlicher, 4 Schulmeister, 5 Jäger, 3 Bediente, 1 Gärtner, 5 Hofbeständer, 3 Feldschützen, 11 Hirten, 3 Balgmacher, 38 Eisenschmelzer, 9 Schmiede, 5 Bäcker, 1 Gerber, 2 Küfer, 1 Krämer, 14 Leinenweber, 3 Mahlmüller, 1 Sägemüller, 2 Näherinnen, 5 Schneider, 4 Schuster, 3 Schreiner 1 Schlosser, 2 Maurer, 2 Wagner, 2 Zimmerleute, 3 Metzger, 12 Wirte, 2 Stricker, 1 Ziegler und 1 Wasenmeister.

Erstaunlich ist auf den ersten Blick die große Anzahl der Wirte, in der Stadt Ottweiler mit 1450 Einwohnern gab es nur 3. Dies erklärt sich aus dem größeren Personenverkehr durch das Schloß und noch mehr durch die Hütte mit ihren Holz- und Erztransporten. Natürlich waren mit dem Schloß auch die Wohnungen für die verschiedenen Bediensteten gebaut worden. Ein schönes Beispiel, das Jägermeisterhaus stand bis zu seiner Zerstörung 1945 in der Schlossstraße, auf dem Platz der heutigen Pauluskirche. Für Knechte und Soldaten wurde das alte Schloß zu einer Art Kaserne mit Ställen und Remisen umgebaut. Nicht nur bei den schönen Bauten des Schlosses und seiner Umgebung, auch bei den notwendigen Zweckbauten und Umbauten war Friedrich Joachim Stengel (1694-1787) in Neunkirchen tätig.
In seinem Lebensbericht, einer Art Tagebuch, schreibt er unter dem 10. September 1768: „Der mir gnädigst commitiert gewesene Brückenbau zu Neunkirchen über die Blies, ist nunmehr soweit geendigt, dass solche mit Grund dermahlen überführet wird und sodann die Chaussee zu beiden Seiten mit noch zwei Abzugsdohlen, welche ich nach schicklicher Weise abgesteckt habe, angelegt werden können. Ob nun solches noch in diesem Jahre geschehen und hierzu die beiden Chaussee-Direktoren gebraucht werden sollen, überlasse ich höherer Verfügung..., hierbei kann ohnbemerkt nicht lassen, dass die Chaussee nicht höher aufgeführt werden dürfe, als wie ich solche nach der 1740 gewesenen Überschwemmung und diese Brücke danach regulieret habe.

Dieser Brückenbau, mit der von Stengel geänderten Streckenführung, war in den kommenden Jahren Anlaß für einen Prozeß des Hüttenpächters gegen die fürstliche Rentkammer. Durch die neue Lage der Brücke wurde der Strömungsverlauf der Blies so geändert, dass die von der Hütte in die Blies abgelassene Schlacke sich vor der Brücke ablagerte. Die Rentkammer verlangte die Räumung dieser Ablagerungen durch den Hüttenpächter, wie wir heute sagen würden , als Verursacher. Das Gericht aber entschied gegen die Rentkammer, da diese durch den geänderten Bau der Brücke an der Ablagerung schuld sei. Das Ablassen der Schlacke in die Blies sei ein Recht des Hüttenpächters. Gewässerschutz zur Zeit Goethes um 1770.
Heinz Gillenberg