Historischer Verein
Stadt Neunkirchen e.V.

Historischer Verein Stadt Neunkirchen e.V.

Die ersten Ordnungshüter in Neunkirchen
Ein Bericht von Armin Schlicker – 2. und letzter Teil –
 
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Die Rechnungsführung oblag allein dem Wachtmeister. Er hatte ordentliche Monatslisten zu führen aus denen erkennbar war, wohin er seine Untergebenen (Korporale und Gemeine) kommandierte hatte, damit bei Vorfällen in diesem Rapport nachzuschlagen war, wo die einzelnen Husaren zu einer bestimmten Zeit waren. Die Gruppen von drei Mann, die jeweils an einem Ort stationiert waren, bezeichnete man als Detachement. Führer eines Detachements war ein Korporal. Die Stationierung eines Detachements an einem Ort sollte jeweils nur einen Monat dauern, dann war zwingend ein Ortswechsel vorgeschrieben. Offenbar wollte der Fürst einen zu engen Kontakt mit der Bevölkerung an den Standorten vermeiden. Er legte auch Wert auf das Prinzip der gegenseitigen Kontrolle und schrieb vor, dass kein Korporal seinen Husaren erlauben durfte, allein zu Fuß oder zu Pferd auf Streife zu gehen. Wenn das Detachement ausrückte, mußte es bei dem Amtmann (in ländlichen Bereichen) oder dem Meier (Bürgermeister) des Ortes, wo es stationiert war, genaue Nachricht hinterlassen, wohin es sich voraussichtlich begeben wird. Bei der Rückkehr mußte der Korporal bei den gleichen Amtspersonen Bericht erstatten. Wurden bei den Ausritten jedoch Verstöße gegen die Wald- und Forstordnung festgestellt, mußten diese den zuständigen Förstern oder auch einem Jäger mitgeteilt werden. Im Abstand von 10 Tagen mußte das Detachement grundsätzlich Bericht darüber erstatten, was sich in dieser Zeit in seinem Zuständigkeitsbereich ereignet hatte. Dadurch waren die Husaren gehalten, ständig Informationen zusammenzutragen.
Der Fürst hatte für die Landhusaren eine Straftaxordnung erlassen, nach der sie bei festgestellten Verstößen die Strafen festsetzen mußten. Abweichungen nach unten oder oben von dieser vorgeschriebenen Strafhöhe waren den Husaren nicht gestattet, sie hatten keinerlei Ermessensspielraum. Es war ihnen auch streng untersagt, etwa Schnaps, Wein, Essen oder andere Annehmlichkeiten anzunehmen oder gar zu fordern. Für den Fall, dass sie bei festgestellten Verstößen keine Anzeige vorlegten oder sich mit dem Täter auf eine Kungelei einließen, drohte ihnen gar schwere Leibesstrafe.
Da die Landhusaren aus einer militärischen Einheit hervorgegangen waren, war auch das Disziplinarwesen mit dem in den damaligen Armeen vergleichbar, das durchaus auch Körperstrafen vorsah. So hatte ein Korporal die Befugnis zur Anordnung und Vollstreckung einer Prügelstrafe gegen einen Husaren, „wenn er es verdient“ hatte. Diese Strafe war auf 5 Stockschläge begrenzt. Bei schwereren Vergehen, mußte der Korporal dem Wachtmeister berichten und den Delinquenten in Arrest nehmen.
1764 erging eine neue interne Dienstanweisung an die Landhusaren, die sich einerseits zwar an die Bestimmungen des Reglements von 1752 anlehnte, zum anderen aber auch modern anmutende Regelungen über das Verhalten im Dienst enthielt. So wurden die Landhusaren angehalten, sich auf dem Lande ehrbar und nüchtern aufzuführen, allen vertraulichen Umgang mit den Untertanen sorgfältig zu vermeiden und sich in ihren Verrichtungen der Verschwiegenheit zu befleißigen. Damit die Landgarden, das war inzwischen ihre neue Bezeichnung, auch mit den Bestimmungen und Verordnungen hinlänglich unterrichtet waren, wurde in dieser internen Dienstanweisung bestimmt, dass ihnen die einschlägigen Texte zugestellt werden sollen. Damit allein sollte es aber nicht sein Bewenden haben. Nach der Dienstanweisung waren die Landgarden nämlich verpflichtet, diese Texte „fleißig zu lesen“.
Zwar lag das Hauptgewicht der Tätigkeit der Landgarden bei der Überwachung der bereits erwähnten Gesetze und Verordnungen. Daneben hatten sie aber auch typisch polizeirechtliche Aufgaben. Sie sollten z.B. darauf achten, dass die Untertanen in den Häusern, Scheunen und Ställen mit Feuer behutsam umgingen und weder brennendes Licht noch glühende Kohlen an einen Ort trugen, wo sich Stroh, Heu oder andere leicht Feuer fangende Sachen befanden. Ebenso gehörte zu ihren Aufgaben die Überwachung der Brunnen, um Verunreinigungen zu vermeiden (eine Wasserversorgung ins Haus gab es damals noch nicht). Überhaupt war damals ziemlich viel verboten und strafbedroht. So war es nach der Polizei-Ordnung vom 8. Januar 1762 untersagt, während des Gottesdienstes „Wein, Brandenwein oder andere Getränke zu verzapfen“. Auch war es bei Strafe verboten, während des Gottesdienstes Lärm verursachende häusliche oder Handwerksarbeiten zu verrichten. Unter oder zwischen den Predigten an Sonn- und Feiertagen war das Kegelspiel verboten. Bestraft wurde auch, wer auf der Gasse oder in Wirtshäusern Streit und Schlägerei verursachte oder durch unziemliche Reden, Fluchen und Lästerungen Ärgernis gab.
Die 27 Mann Landhusaren reichten für die Aufgabenstellung in den drei Grafschaften bald nicht mehr aus, so dass eine kontinuierliche Verstärkung erfolgte. 1774 hatte die Truppe bereits eine Stärke von 60 Mann erreicht6). Auch war inzwischen eine Umbenennung in Landgarden geschehen, gelegentlich werden sie in den Unterlagen auch als Tabakgarden bezeichnet. Auch danach ging die personelle Aufstockung weiter, so hat der Fürst schon 1780 eine weitere Verstärkung um 5 Mann „gnädigst“ genehmigt 7)´.

Die kleine Nassau-Saarbrücker Polizeitruppe wurde im Verhältnis zu den übrigen deutschen Ländern recht früh ins Leben gerufen. In den anderen Gegenden kam es teilweise erst viel später zur Schaffung eines eigenen Polizeicorps. In Bayern wurde 1756 eine eigene Polizeiabteilung, das erste SecuritätsCorps geschaffen. Im Bereich des heutigen Baden-Württemberg hatten in der zweiten Hälfte des 18. Jh. in einigen kleinen Herrschaften Amtsinhaber in Eigeninitiative begonnen, die Verbrechensbekämpfung in geordnete und durchaus erfolgreiche Bahnen zu lenken, so z.B. Franz Ludwig Graf Schenk von Castell, von Zeitgenossen „Malefiz-Schenk“ genannt, im Bereich Ehingen/Donau 8). In Württemberg wurde erst 1808 ein Landjägercorps zur Sicherung der Landstraßen gegründet.

Fürst Wilhelm Heinrich hat während seiner Regentschaft (1741 – 1768) also in 27 Jahren eine Vielzahl von Verordnungen erlassen. Nach einer Aufstellung der Gesetze und Verordnungen in der Grafschaft Saarbrücken im Saarbrücker Intelligenzblatt von 1828 sind für seine Regierungszeit insgesamt 260 Verordnungen aufgeführt. Dagegen enthält diese Aufstellung für die Zeit von 1321 bis zum Regierungsantritt Wilhelm Heinrichs in einem Zeitraum von 420 Jahren nur 110 Vorschriften 9). Fast alle von Wilhelm Heinrich erlassenen Verordnungen enthielten auch Strafvorschriften. Als Beispiele seien hier die Wald- und Forst-Ordnung vom 11. Februar 1757 10) und die Verordnung zur Verhütung von Diebstählen vom 24. Februar 1764 11) erwähnt.

Nach der Wald- und Forst-Ordnung wurde die Wilderei streng bestraft, beim erstmaligen Nachweis mit einer Strafe von 100 fl nebst Bezahlung des Wildbrets und des Fells und falls der Täter dies nicht bezahlen konnte, mit einer ganzjährigen „Arbeit in Eisen und Banden“. Wiederholungstäter wurden zusätzlich auf ewig aus den fürstlichen Landen ausgewiesen. Darüberhinaus war es bei strenger Strafe verboten, im Wald ohne Erlaubnis Holz zu schlagen, Reisig zu schneiden, Gras zu mähen, Wachholder-, Erd- oder Himbeeren zu brechen, Laub oder Moos zu sammeln usw.

Noch strengere Strafen waren für Diebstähle angedroht. Wurde jemandem aus dem Gesinde der Diebstahl einer Sache im Wert von weniger als 5 Gulden nachgewiesen, so war er „nur“ zu lebenslänglicher Schanzarbeit oder anderer empfindlicher Leibesstrafe zu verurteilen. Hatte das Diebesgut aber einen Wert von mehr als 5 Gulden oder handelte es sich um einen Wiederholungstäter einfachen Diebstahls außerhalb des Gesindes oder handelte es sich um einen Einsteige- oder Einbruchsdiebstahl oder einen Diebstahl unter Mitführung eines Gewehrs, so war der Täter „ohne Nachsicht“ zum Tod durch den Strang zu verurteilen.
Wenn man sich die heutigen Kriminalstatistiken ansieht, so wäre bei Anwendung solcher Strafen eine allmähliche Entvölkerung unserer Städte zu befürchten.
Andererseits gab es in diesem Gesetz bei aller Strenge schon ganz modern anmutende Ansätze des freiwilligen Rücktritts von einer Straftat und der tätigen Reue, wie sie heute im §24 StGB festgeschrieben sind.

Über das Schicksal der Landhusaren/Landgarden im ausgehenden 18. Jahrhundert ist nichts bekannt. Es kann vermutet werden, dass sich die Truppe mit dem Zusammenbruch der nassauischen Amtsautorität beim Überschwappen der Kriegswirren im Zuge der französischen Revolution selbst auflöste.
Im Stadtarchiv Neunkirchen und im Landesarchiv in Saarbrücken gibt es keine Unterlagen über konkrete Tätigkeiten der Landhusaren/-garden im Raum Neunkirchen


 
Quellenhinweise:

  1. Robert Kirsch, Unter dem kerpischen Zickzackbalken in Landschaften und Leute im Wandel der Zeit, Hrsg. Landkreis Neunkirchen
  2. Landesarchiv Saarbrücken, Best. N-S II, Nr. 2776
  3. Landesarchiv Saarbrücken, Best. N-S II, Nr. 3631
  4. Landesarchiv Saarbrücken, Best. N-S II, Nr. 3631
  5. Dr. Elmar Müller, Justiz und Polizei vor 200 Jahren in Festschrift zum Landesdeligiertentag 1968 der Deutschen Polizeigewerkschaft im Beamtenbund
  6. K. Hoppstädter, Der Saarbrücker Hofadel im 18. Jahrhundert
  7. Landesarchiv Saarbrücken, Best. N-S II, Nr. 5240
  8. Manfred Teufel, Die südwestdeutsche Polizei im Obrigkeits- und Volksstaat
  9. Saarbrücker Intelligenzblatt von 1828
  10. Landesarchiv Saarbrücken, Best. N-S II, Nr. 4610
  11. Landesarchiv Saarbrücken, Best. N-S II, Nr. 4611
Armin Schlicker